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Hardcore a cappella: Die U-Bahn Kontrollöre in tiefgefrorenen Frauenkleidern. Die kurze Entstehungsgeschichte der Band mit dem langen Namen.

8. Juni 1991. Das Jugendcafé Oberursel, nahe Frankfurt, veranstaltet einen Rockworkshop mit den Profis der lokalen Musikszene. Der Andrang ist enorm. Mehrere Dutzend junger Musikanten treffen aufeinander, ein ganze Wochenende lang wird gejammt, gerockt und wild herumexperimentiert. Inmitten dieses kreativen Sodom und Gomorrha kreuzen sich auf schicksalhafte Weise die Wege von Harald Bannoehr, Matthias Keller, Sebastian Rajkovic und Filippo Tiberia. Die Vier stellen fest, dass sie aus dem Stegreif fantastisch miteinander singen können. Am Ende unterhalten sie das gesamte Café mit improvisiertem Satzgesang. Es wird beschlossen, ein a cappella-Projekt zu starten und kurze Zeit später trifft man sich zur ersten Probe im Wohnzimmer von Sebastians Eltern. Alle müssen Filzpantoffeln tragen, der gute Teppich will es so. Noch bevor der erste Ton gesungen wird, klingelt ein sympathischer junger Mann an der Tür: „Hallo, ich hab gehört, ihr braucht noch einen fünften Sänger.“ Es ist Oliver Hartstack. Sebastian hat ihn am Abend zuvor beim Trampen kennengelernt, während der Fahrt mit ihm im Duett gesungen und ihn kurzerhand zur Probe eingeladen.
Das Quintett ist komplett und die Besetzung erweist sich als grandios. Die Stimmen der Jungs harmonieren ebenso miteinander, wie die große Vorliebe für absurden Humor. Mehrfach müssen die Proben wegen akuter Lachanfälle unterbrochen werden, weil mal wieder jemand mit den Filzpantoffeln Sesamstrasse spielt. Schnell wird deutlich, dass sich keiner der Fünf zum konventionellen, braven a cappella in Frack und Zylinder berufen fühlt. Sie sind Praktiker, keine Akademiker und wollen in erster Linie Ihren Spaß haben. So zieht das noch namenlose Quintett nach den Proben durch die Frankfurter Kneipen und testet das erarbeitete Material unter Live-Bedingungen. Dabei müssen immer wieder Brotkörbe, Handtaschen, Schirme und Tiefseegarneelen als spontane Requisiten herhalten. Zur großen Freude der Gäste. Die lieben die charmanten Überfälle, spenden großzügig Applaus und bis zu 300,- DM Trinkgeld.
Am 15. Mai 1992 ist es dann soweit: der erste öffentliche Auftritt. Anlass ist die Vernissage eines Freundes. So langsam wird es dann doch Zeit für einen Bandnamen. Eine schwere Geburt; zwei Stunden vor Showbeginn wird immer noch fieberhaft debattiert. Schließlich wählt man das nächstbeste Zitat aus der Textbeilage einer Langspielplatte: „U-Bahn Kontrollöre in tiefgefrorenen Frauenkleidern“. Ein Arbeitstitel, nur für diesen einen Auftritt. Danach soll auf jeden Fall von Neuem diskutiert werden. Man mag es Faulheit oder Fügung nennen, jedenfalls findet diese Diskussion niemals statt. Die Premiere gerät zu einer kleinen Sensation. Die Besucher sind begeistert von der schrägen Performance und finden den bescheuerten Namen richtig klasse. Ja, er sei durchaus geeignet für eine Gruppe, deren Mitglieder in labberige Opa-Unterhosen gekleidet, antike Sitzmöbel mit einem Ledergürtel züchtigen und dabei "Roxanne" singen.
Schon bald sind die spontanen Kurzauftritte der Kontrollöre in der Frankfurter Kneipenszene zum Kultereignis avanciert und es kommt zu den ersten Engagements kleiner Bühnen. Darunter die Brotfabrik, die einmal pro Monat den „Pater Noster“ veranstaltet, eine Art Talentschuppen für jedermann. Hinter den Kulissen ist es eng, überall liegen Kostüme, Masken, Perücken und Requisiten herum. Sehr zur Freude von Harry, Olli, Sebastian, Filippo und Matthias, die sich während des 20-minütigen Auftritts ca. 10 mal umziehen. Es ist schwer zu sagen, wer an diesem Abend mehr Spaß hat, das Publikum oder die Künstler. Eins ist klar: diese Mischung aus groteskem Blödsinn und begnadeter Musikalität, irgendwo angesiedelt zwischen Selbstverarsche und Sangeskunst, ist mehr als ein reines Spaßprojekt, es ist die Geburtsstunde eines neuen Musikgenres! Hardcore a cappella.
Die Devise der folgenden Jahre lautet: spielen, spielen, spielen! Auf so ziemlich allen Bühnen und Festivals der Republik sammeln die Fünf wertvolle Live-Erfahrungen und entwickeln sich dabei ständig weiter in Sachen Sound und Performance. Das anarchistische a cappella Projekt reift zu einem kraftvollen Live-Act heran. Aus den Hobbysängern wird eine hochprofessionelle "Band ohne Instrument", die durch Ihre Einzigartigkeit und Authentizität sogar bekennende Vokal-Gegner überzeugt. Typischer Fan-Kommentar: "Jungs, ich finde a cappella eigentlich scheiße, aber ihr seid genial!"

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